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Literarischer Verein der Pfalz e.V.

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Peter Herzer, Kaiserslautern

Siegergedicht des Monatswettbewerbs September 2022

Seine Heimat still

 

bodennebelweiß grauhungrig

er greift nach den faulen Äpfeln

festgefroren im bleichen Gras

Pferde wiehern, reiben sich warm

 

läuft über Wiese zum alten

Bauernhaus, seine Heimat still

Kerzenlicht am Fenster Hoffnung

wischt beschlagene Scheibe frei

 

Gesicht der Bäuerin milchig

er klopft, summt ein Liebeslied

die Tür öffnet sich, Essensduft

zeigt seine Posaune, sie winkt

 

Finger schmerzen, Kehle heiser

doch er spielt um Bett und Magen

Kinder und Gäste hocherfreut

der erste Wandermusikant

 

 

Ursula Doerler, Stelzenberg

Siegertext des Monatswettbewerbs August 2022

 

Tod oder lebendig

Warum starrst du mich so an, fragte der Goldfisch hinter Glas die Katze. Sein Mund schnappte dabei auf und zu.

Ich beobachte dich, erwiderte die Katze distanziert - oder räumlich-physisch ausgedrückt - aus einem halben Meter Entfernung, kerzengerade vor dem Aquarium sitzend.

Ein einigermaßen sicherer Abstand für den Fisch, für einen jähen Katzensprung dennoch nah genug. Vermutlich deshalb sperrte der Fisch seine schwarzen Glupschaugen auf, soweit es eben ging.

Was willst du denn schon sehen, fragte das Fischlein zurück, tapfer mit schnellen Flossenschlägen an Ort und Stelle verharrend, damit ihm ja nichts entging.

Ich denke darüber nach, in welchem Zustand du dich befindest – aller Wahrscheinlichkeit nach. Solange ich hier verweile.

He, stutzte der Fisch, drückte sich näher an die Scheibe, um größer zu erschienen als er in Wirklichkeit war.

Der Arme drinnen in seinem Glas, wie beschränkt, hat leider nichts verstanden, stellte die Katze fest.

Ich weiß nicht, inwieweit du kleiner Fisch überhaupt in der Lage bist, meinen gedanklichen Höhenflügen zu folgen. Ich plane ein Gedankenexperiment zu den schwierigsten Fragen der Existenz. Willst du dich beteiligen?

Die pfeilgerade Stellung des Goldfischs und das Abklingen seiner nervösen Flossentätigkeit signalisierten der Katze höchste fischige Aufmerksamkeit aus dem durchsichtigen Behälter.

Also los, forderte der Fisch. Die Frage bitte.

Mutig gesprochen, lobte die Katze. Was mich tierisch interessiert: was bist du wirklich, bist du tot? Bist du lebendig? Oder bist du wahrscheinlich gleichzeitig tot und lebendig?

Na hör mal, empörte sich der kleine Kerl. Ich bin quicklebendig: Ich bin munter wie ein Fisch im Wasser. Schwupps begann er fröhlich hin und her zu schwimmen, während er fortwährend ‚Leben ist Bewegung, ein ständiges Hin und Her` in aufsteigende Luft-blasen blubberte.

Nein, nein. So einfach geht das nicht, widersprach die Katze. Das ist ein hochphysikalisches Experiment, kein Badewannenblues. Da bräuchte man schon einen unwiderlegbaren, totsicheren Beweis. Du musst mehr Energie für den Test aufbringen, viel mehr.

Nichts leichter als das, rief der Fisch, und trieb sich mit kräftigen Schlägen seiner Schwanzflosse an. In hohem Bogen schoss er aus dem Wasser in die Luft hinaus und platschte unsanft herunter; direkt vor eine neugierige Schnauze.


Genüsslich schnalzte die Katze kurze Zeit später mit der Zunge. Welch appetitlicher Happen. Schade um das lustige Kerlchen, bedauerte sie sogleich, und fing bereits an, den Fisch zu vermissen. Schade, dass man nicht gleichzeitig betrachten kann was man schon gefuttert hat. Oder doch? Bestimmt lohnenswert, weiter zu experimentieren.

Ich bin dabei!

Es hörte sich an wie ein Stimmchen aus dem Off.

 

 

Reiner Kranz, Bad Schönborn
Kinderwinter (Monatssiegertext Juli 2022)

 

mancher schlitten

zerbrach

einige schneebälle

mit einem herz

aus kieselsteinen

die winter verläßlich

mit blauem lippen

warmen händen

vom schweineblut

einem feuer

aus buchenreisig

 

 

Siegergedicht anlässlich des Textwettbewerbs zum 140jährigen Jubiläum im September 2018 von Erich Mohr aus Ludwigshafen:

 

 

Wo ist Heimat?

 

Sollt ich, ach das traute Wort

mit Bild und Seele füllen,

muss es nicht am fernen Ort

dem Sehnen erst entquillen?

 

Schwer ist‘s wohl ins Wort zu fassen,

was allein das G‘fühl bewegt.

Sind‘s die altvertrauten Gassen,

die Turmuhr, die so heimelnd schlägt?

 

Ist‘s der Wiesen stiller Grund,

der so frühlingsfroh erblüht,

ist‘s des Parks beschaulich Rund,

das im Herbst so flammend glüht?

 

Ist‘s der weg, der lieblich enge,

wo junge Liebe einst beglückt,

sind‘s des Kirchleins Glockenklänge,

der Birkenhain, der mohngeschmückt?

 

Ist‘s der Anger nah dem Städtchen,

der uns Kindern Mitte war,

wo zum Reigen hold die Mädchen

Kränzchen trugen schmuck im Haar?

 

Ist‘s Elternhaus, wo froh und schlicht

die Liebe treu gewaltet,

das Ja zu Anstand, Recht und Pflicht,

auch zu‘n Musen ward entfaltet?

 

Sind‘s die meist so frohen Runden

im eng verwobnen Freundeskreis,

wo man auch in bittren Stunden

wich teilnahmsvoll gehalten weiß?

 

Ist‘s da, wo übern Gartenzaun

der Nachbar erste Veilchen reicht,

der kurze Plausch je voll Vertraun,

wie Morgenwind die Seele streicht?

 

Ist‘s wohl der Teich, auf dem gar sacht

strahl‘nden Himmels Blau zerfließt,

der volle Mond zur G‘stirnten Nacht

den seid‘gen Spiegel zärtlich küsst?

 

Ist‘s gleicher Sprache trautes Klingen,

sind‘s die Menschen, die man liebt,

Lieder auf der Muse Schwingen,

was das G‘fühl der Heimat gibt?

 

Wollten wir auch eifrig binden

die Bilder all zum Deutungsstrauß,

er wird das Wort nnicht voll ergründen,

schöpft nicht seine Tiefe aus.

 

Heimat ist, wo Halt und Güte,

Geborgenheit, Daheimsein ist,

wo des Menschseins edle Blüte,

die Heimatliebe, sich erschließt.

 

Wer Heimat hat verlassen müssen,

weiß um dieses hohe Gut.

Wir sollten um den Segen wissen,

der in ihm, dem Kleinod, ruht.

 

Doch – nimmer muss der Schatz zerrinnen,

wenn vom lieben Ort wir scheiden.

Heimat lässt sich neu gewinnen,

wo zum Willkomm sich Arme breiten.

 

Hier kann aus gleichem Wurzelgrund

das schöne G‘fühl erneut erblühn.

An jedem Ort tut‘s gern sich kund,

wo Menschen sich um Menschen mühn.

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