Logo

Homepage des Literarischen Vereins der Pfalz e.V.

Logo
Homepage des Literarischen Vereins der Pfalz e.V.

Uwe Kraus

Kleinstadtblues

So wollen wir singen den Abschied vom Abstieg, von der Großstadt zum Kaff ...

Ich bin hier gestrandet, hab hier nichts zu suchen,
die Heimat mein Kleinod an der Autobahn,
65 Kilometer entfernt, durch zwei Baustellen voneinander getrennt...

ich hasse diese gottverfluchte Kleinstadt...

Ich wollt hier nimmer her.
Auf der anderen Seite die A6 nach Heidelberg, dort hätte ich hin gesollt...
Kultur ist ein Machtbegriff, der hier nur
von einer Wasgau Filiale bekleidet wird...

Ich verstehe nicht.
Offiziell bin ich seit dem 31. März festgefahren in der Mühle,
die Leiden schafft.

Fehlt die Leidenschaft...
Meine Liebe sitzt dort, ich hier, nimmer die Burg die mein Eigen ist,
doch getauscht in ein Internatszimmer Haus 5 Ebene 0 Zimmer 2…

Direkt neben der Raucherecke mein Fenster, gottverflucht.
Das ist der Abstieg in die dritte Liga.. wenn man es mit dem EFCEKA vergleicht…
Vor einem halben Jahr ist meine Mutter gestorben, vorher nahm sich mein Vater das Leben.
Ich vergreise, wenn ich an das blutüberströmte Gras denke in dem er wie biblisch lag..
ich sah Abel vor meinen Augen...
was ist aus mir geworden: ein Demian, ein Goldmund, oder eher Hiob?

Wenigstens wiege ich mich noch in der Bestätigung etwas zu wissen,
von dem niemand sprechen würde, auch wenn er wüsste wie gemeint…
ich bin Dichter, Erzähler einer Sprachebene, die weiter scheint als alle
Astrale oder Planeten im Andromeda Gebilde einer parallel existenten Koexistenz!

Wie beginnt man zu sprechen, wie bekommt die Stimme ein leben,
die man zum Dichten erstellen muss um auktorial zu sein..
Objekt und Subjekt verschwimmen in einer Transzendenz der Metaphorik.
Wann beginnt man das Kind zu stillen, vor allem wo? Wenn nicht da, wo man geliebt wird….

Ich bin geboren um Liebe zu geben, von Anfang an!
Ein Kreis der Empfindsamkeit schließt sich mit der Wortgabelung,
wo werde ich hingehen durch eine eventuelle Dialektik?

Ich habe Philosophie und Literatur nur anfängliche 2 Semester studiert,
doch wer braucht Wissenschaftstheorie, Theodizee und Logizismus...
Wer würde die atomare Russel'sche Philosophie verstehen...
Ich versuche es durch den Pragmatismus,
einer Existenz der Randgebilde meiner Gedächtnisschleifen…

Ich will den Weg zurückfinden auf dem ich subtrahiert wurde,
durch verschiedene Melodien, vom Abschied zum Abstieg ...

 

 

 

Intensiv

 

© Thomas M. Mayr, Kirchheimbolanden

 

 

 

Über mir die Decke

 

leichenblaß die

 

Zeit im Haus der Schnecke

 

bloß Gedankenonanie

 

der Galgen hoch dort oben

 

höhnend als Dreifaltigkeit

 

und von dort droben

 

tröpfelt lautlos meine Kraft derzeit

 

durch transparente Därme

 

sickert gelbe Hoffnung und

 

die Körperwärme

 

kriecht durch Nase Glied und Mund

 

mal vorwärts oder auch

 

hinweg entkrümmen Würmer sich

 

als sei mein Bauch

 

mein Leib ein Nest das mich

 

gebiert und schlangengleich

 

sie mich umgarnen kosen denn im Außen

 

drängen Horden schattenbleich

 

und Flimmern Blinken Brummen nicht weit draußen

 

Schimmern Stinken Summen prallt von jeder Wand

 

doch schiffchengleich durch dies Gewebe

 

gleitet deine so vertraute Hand

 

- durch die ich lebe.

 

 

aus: Thomas M. Mayr: "Zwiesam", Geest-Verlag, Vechta 2007

 

 

 

Günter Speyer (Kaiserslautern):

Goldwert

Gold gelt immer,

Geld gelt net immer.

Gelt Geld wie Gold,

gelt Geld.

Gelt Gold meh wie Geld,

hat Geld gegolt.

 

 

 

Heinz Ludwig Wüst (Gleisweiler):

De Iban un de Swift

Schbucke kännt ich Gall un Gift,

denk an Iban ich un Swift.

Ach was sin des doch fer Quale,

haufich Buchstawe un Zahle.

Willscht du mol was iwwerweise,

muscht der erschtmol ´s Hern verreiße.

´s is net jedem Mensch soi Stärke,

soviel Zahle sich zu merke.

Sitzschd du dann, ob frieh ob spat

in de Bank vorm Automat,

odder vielleicht ausgeruhter

gar dehäm vor deim Comjuter.

Konzentrierscht dich mit Bedacht,

dass mer ach kän Fehler macht,

wann vielleicht än Zahledreher,

odder falsche Zahle eher

emme annre Mensch ganz dreist

ebbes Großgeld überweist

un der wu es kriege soll,

hot uf dich en großer Groll.

Kontrollier und prüf nor gut,

bevor mer iwwerweise dut.

Reg dich net uf bei dene Sache,

denn ganz Europa muss des mache.

 

Birgit Heid (Landau):

Rosa Schmetterling

Ein Spiel aus Licht und Schatten in der
kaffebraunen Nische raunt die tiefe Stimme
von dem heimlich abgezweigten Geld für
eine Zukunft deltaesken Glücks doch hockt

der Falke weiterhin im Nest geht stillvergnügt
auf Beutefang der rosa Schmetterling gewinnt
an Zuversicht und legt sich häufig ins Gefieder
bleiern schwelen Monate in denen sich die

Wolfsfrau ins Spital begibt am Zungentag wirds
blendend grobe Sonnenlicht dem Falken den
Verstand zerstückeln bis er fällt am Strand das lang
ersehnte Wiedersehen Vorsicht vor dem Falter.

- Werbung -