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Literarischer Verein der Pfalz e.V.

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Literarischer Verein der Pfalz e.V.
1. Gründungsjahre

Der Literarische Verein der Pfalz wurde am 15. September 1878 als „Verein pfälzischer Schriftstel­ler, Künstler und Freunde von Kunst und Wissenschaft“ in Neustadt gegründet. Trotz der Begeiste­rung des Vorstands war die Teilnahme des pfälzischen Volks auffallend gering. Bis zu seinem 30. Geburtstag blieb der Verein ein kleiner Kreis von von Idealisten. Man appellierte an humane For­men des Zusammenwirkens, an Toleranz und Vermeidung egoistischer Interessen. 1884 wurde die Vereinszeitschrift „Pfälzer Museum“ als Bindeglied zwischen den Mitgliedern und als Werbemaß­nahme gegründet. Jedoch stellten sich sowohl die Arbeitsbelastung als auch die Herstellungskosten als Hürde dar, so dass man sich um Zusammenlegungen mit anderen Zeitschriften bemühte, die erst 1903 mit dem Zusammengehen mit dem Historischen Verein und dem Kunstverein in Speyer eine deutliche Erhöhung der Auflagen mit sich brachte. Sie wurde schließlich die Zeitschrift des Historischen Vereins, des Literarischen Vereins der Pfalz und sechs weiterer Vereine.

2. Die ersten fünfzig Jahre

1900 erfolgte die Umbenennung in „Literarischer Verein der Pfalz“. Der Jahresbeitrag betrug damals eine Mark. Weiterhin blieb die Mitgliederzahl um die 70, weil das Interesse für literarisch-musikalische Themen in der Pfalz gering war, deutlich geringer als die Begeisterung für historische Sachgebiete. Erst nach 1910 erfuhr der Verein einen Aufschwung durch die Gründung von Orts­gruppen, durch Versammlungen mit Vorträgen, durch Preisausschreiben und durch die Veröffent­lichung der besten Texte in der eigenen Zeitschrift ab 1916. Insbesondere dem Vorstand Ludwig Eid aus Speyer ist der Erfolg zu verdanken. Die Mitgliederzahl des Vereins wuchs von 135 im Jahr 1911 auf 336 im Dezember 1916. Auch der gesellschaftliche Stimmungswandel im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg trug zum Aufschwung bei. Heimatdichtung gewann wieder eine identitäts­stiftende Bedeutung. Eine neue Generation vereinnahmte jedoch den Begriff Heimat in ihre national­sozialistischen Ideologie.

1914 wurde den Mitgliedern als Jahresgabe Karl Leibrocks Lustspiel „Mei Herzkersch“ gesendet. Die Mitglieder setzten sich im Wesentlichen aus Lehrern, Kaufleuten, Professoren, Beamten, Pfarrern und Redakteuren zusammen. Etwa 4% waren Frauen, in der Regel ohne Berufsausbildung. 1916 wurde als neues Mitteilungsblatt für die Mitglieder „Die Pfalz am Rhein“ geschaffen. Soldaten im Feld erhielten „Heimatgrüße“, ein Bändchen mit Texten sowie Bildern des Landauer Kunstmalers August Croissant. Eine Anthologie erschien. 1920 zählte man 450 Mitglieder. Die pfälzische Landesbibliothek wurde 1921 in Speyer eröffnet. Eine gewisse Begeisterung der Pfälzer richtete sich vor allem auf humorige Dialektliteratur, während man andererseits auch bemüht war, ein gewisses „anspruchsvolles“ Niveau zu erzielen. Die gängige Heimatliteratur bediente sich gerne den gängigen Klischees, gereimt wurde häufig im Stil der Spätromantik. 1922 wurde nach Ludwig Eid Dr. Georg Reismüller als Vorstand gewählt. Der Volksbildungsverband sowie die Volksbüche­rei­be­wegung kamen auf, denen der Literarische Verein fachlich zur Seite stehen wollte. Wieder kamen in Zeiten der französischen Besatzung, der Rheinlandfrage, den Bestimmungen des Versailler Vertrags sowie der „Regiebahn“ und der daraus folgenden Verarmung der Bevölkerung den Traditionen besondere Bedeutung zu. Die „Kleine Zeitschrift für Pfälzer Literatur und Kunst“, im Untertitel „Heimaterde“erschien seit 1923. Sie war die erste freie pfälzische Literaturzeitschrift mit dem Schwerpunkt der jungen Autoren. 1930 musste sie wieder eingestellt werden. Von den Pfälzer Literaten traten lediglich Gert Buchheit, Roland Betsch, Wilhelm Michael Schneider, Willi Gutting, Leopold Reitz, Lina Staab, Martha Saalfeld, Richard Schneider, Hugo Ball, Kurt Kölsch, Ludwig Dillmann, Luise Rösinger und Paula Best hervor. Dennoch wurde eine Nachfolge­zeit­schrift, die „Literarische Pfalz“ geschaffen, die 1932 wieder eingestellt wurde.

3. Die zweiten fünfzig Jahre

1929 wurde Leopold Reitz zum 1. Vorsitzenden gewählt. Drei Jahre später bekannten sich Dr. Hermann Emich und Kurt Kölsch zum Nationalsozialismus. 1932 war das Jahr der endgültigen Weichenstellung zum Dritten Reich. Vereinstätigkeit und „Literarische Pfalz“ verschwanden. In ihrer letzten Ausgabe bekannten sich weitere Autoren zu Hitler. Andere Texte Pfälzer Autorinnen und Autoren wurden ungefragt in NS-Publikationen abgedruckt. Die sogenannte Gleichschaltung der kulturellen Institutionen traf auch den Literarischen Verein. Gaukulturwart war Kurt Kölsch, kommissarischer Leiter für Kunst und Volksbildung war Dr. Hermann Emich. Im März 1933 fanden in Kaiserslautern Kundgebungen für Kulturschaffende statt. Kölsch hielt eine antisemitische Hass­rede. Als Abschluss der Kundgebungen fand eine Bücherverbrennung statt. Die Vorstandsmitglieder des Literarischen Vereins hatten ihre Ämter bereits niederlegen müssen, ihre Posten übernahm die NSDAP, die die neuen weltanschaulichen Verhältnisse etablierte, regionalistische Töne jedoch unterband. Der Literarische Verein der Pfalz begrüßte die Neuordnung. In den Fachausschüssen des kulturellen Dachverbandes der NSDAP, des Volksbildungsverbandes, fanden sich einige Mitglieder des Literarischen Vereins wieder. Die Pfalz wurde in einen größeren „Westwall“ eingebunden. „Die Formkraft der Landschaft … sei nur weiblicher Art. Die männlich zeugende Keimkraft liege allein in der völkisch-rassischen Erbmasse, in der der unbedingte Ansatz echten kulturellen Führertums zu suchen sei.“, so Kölsch. Der Literarische Verein wurde gesetzeswidrig aufgelöst, indem der Vor­stand zurücktrat. Leopold Reitz gehörte später zu den Mitarbeitern des „Westmark“-Kreises, der mit Judenhetze nicht sparte. Die Literatur sollte im Wesentlichen die demagogischen Parteiphrasen wiederholen. Roland Betsch wurde 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, die den Literarischen Verein ablöste. Er denunzierte, was er zuvor selbst für seine Zwecke genutzt hatte. Kurt Kölsch verbreitete pathetische Schlagworte und gab Anweisungen zum Schreiben künftiger Bücher.

Der Freundeskreis dieser NS-Kulturverwaltung blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg intakt. Kölsch fand in Zeitschriften und Zeitungen neue Aufgaben. Unter dem Pseudonym „Peter Luginsland“ veröffentlichte er Mundartgedichte in Tageszeitungen. In der Zeitschrift „Pfalz und Pfälzer“ von Oskar Bischoff finden sich in den 50er Jahren Texte ehemaliger Parteigenossen und parteinaher Autoren, z.B. Kurt Kölsch, Ludwig Dillmann, Paula Best, Karl Schworm und Leopold Reitz. Die gefragte Literatur war nostalgisch und heimatbezogen. 1957 ermahnte Kölsch Martha Saalfeld, die das Vergangene nicht vergessen wollte. Saalfeld hatte im Dritten Reich große Schwierigkeiten, 1937 war gegen sie ein Publikumsverbot verhängt worden.

Die Wiedergründung des Literarischen Vereins geschah am 8. September 1951 in Landau. Initiator war eine Gruppe um Oskar Bischoff, der im Verlag der „Rheinpfalz“ die Kulturzeitschrift „Pfalz und Pfälzer“ herausgab und Kurt Kölschs Freund war. 1952 wurde Hermann Sauter als 1. Vorsitzen­der gewählt. Beiratsvertreter war Oskar Bischoff. Als Jahresgabe 1953 wurde das Buch von Leo­pold Reitz „Der Weinpfarrer von Wachenheim“ ausgewählt. Erneut waren Streitfragen über die Haltung zu Tradition und Anspruch zu verzeichnen. Die Anthologie „Spuren und Wege“ zum 80. Geburtstag des Vereins (1958) sollte verdeutlichen, dass man sich ein Stück weit von den Heimat­dichterklischees entfernen wollte. Dennoch blieb nach dem Krieg die rückwärtsgewandte Literatur­sicht vorherrschend. Die aufkommenden Vorlieben der Leser nach moderner und internationaler Literatur lösten im Verein eine Spaltung in Traditionalisten und Modernisten aus, was nicht verwun­dert, da ein großer Teil der NS-Funktionäre noch immer im Literarischen Verein aktiv war. Die Jahresgabe „Junge Stimmen“ 1968 (erstmalige Publikationsmöglichkeit für junge Autoren) führte zu Austritten, jedoch auch die Jahresgabe 1969 von Kurt Kölsch „Der grüne Kantor“. Auf der Jahresversammlung 1960 fand eine Lesung von „jungen Begabungen“ statt: Gerd Forster, Susanne Faschon und Dr. Wolfgang Schwarz. Langsam öffnete sich der Verein den jungen Autoren, bei denen man jedoch wiederum das Lokalkolorit vermisste. Literarische Wettbewerbe für junge Autoren wurden organisiert. Bei den Jahresversammlungen waren Ehrengäste, Bürgermeister und die Presse anwesend. Lesungen und Ausflüge begleiteten die Versammlungen. Das Kultusministeri­um unterstützte die Jahresgaben und der Bezirksverband den Verein allgemein. Auch in den siebziger Jahren wurde das mangelnde Interesse an (pfälzischer) Literatur beklagt.

1976 gestaltete Hilde Domin die Dichterstunde während der Jahresversammlung. 1977 wurde Artur Schütt als neuer Vorstand gewählt. Am 27. Mai 1978 fand in Neustadt die feierliche Jubiläums­ver­anstaltung zum hundertsten Jahrestag statt. Die Jahresgabe befasste sich mit dieser Feier.

4. Der Literarische Verein seit 1978

Vermehrt suchte man den Kontakt zu jungen Autoren. Erwin Damian und Gerd Forster übernahmen die Gesprächsleitungen der Literatenrunden. Man verlegte diese zweitägigen Autorengespräche in die Pfalzakademie Lambrecht. 30 bis 40 Teilnehmer nahmen an den konstruktiven Gesprächen unter vermittelnder Moderation teil. 1981 erschien als Jahresgabe „Lenz in Landau und andere Erzäh­lungen“, es waren Texte dieser Jungautorengespräche. Seit 1981 gibt es wieder eine Vereinszeit­schrift, die „Neue literarische Pfalz“ in Anklang an die frühere „Literarische Pfalz“. 1982 wurde Wolfgang Diehl als 1. Vorsitzender gewählt. 1985 betrug die Anzahl der Mitlieder knapp 500. Da auch die Ortsgruppen stark und autark waren kam vereinzelt der Wunsch nach Loslösung vom Verein auf. Wiederholt musste auf den Aspekt der literarischen Gemeinschaft hingewiesen werden. Auch wurde die Konkurrenz der Massenmedien immer mehr spürbar. 1987 wurde zum erstem Mal eine Matha-Saalfeld-Medaille vergeben. Unterstellungen dem Vorstand gegenüber sowie die Abspaltung der Sektion Neustadt belasteten die Vereinsarbeit. 1989 wurde Michael Dillinger aus Zweibrücken 1. Vorsitzender. 1990 betrug die Zahl der Mitglieder 400, 1995 waren es 427, nach der Jahrtausendwende sank die Mitgliederzahl deutlich. Die Texte Pfälzer Autorinnen und Autoren wurden und werden kaum überregional gelesen. 1998 wurde Thomas Wieckhorst aus Landau 1. Vorsitzender, 2001 Lutz Stehl aus Kandel, 2003 Barbara Franke aus Zweibrücken, 2006 Klaus Haag aus Speyer, 2016 Birgit Heid aus Landau. 

 

5. Verzeichnis der Jahrbuchausgaben von 1953 bis 2010

1953 Leopold Reitz: Der Weinpfarrer von Wachenheim

1954 Aus pfälzischer Landschaft. Ein Almanach

1956 Willi Gutting: Legenden um Mirjam

1958 Spuren und Wege. Pfälzische und saarländische Dichtung der Gegenwart

1959 Susanne Faschon: Kein Spiel für Träumer

1960 Erneste Fuhrmann-Stone: Im Vorübergehen

1961 Prismen. Pfälzische und saarländische Lyrik

1962 Erni Deutsch-Einöder: Die Tauben fliegen unseretwegen

1963 Pälzer Hausschadull. Gedichte in Mundart

1964 Emil Sauter: Der Schatten

1965 Heinrich Kraus: Kurzschlüsse

1966 Erwin Damian: Schneetage

1967 Ernst Johann: Für den Tag geschrieben (Feuilletons)

1968 Junge Stimmen. Lyrik und Prosa aus der Pfalz

1969 Kurt Kölsch: Der grüne Kantor

1970 Helmut Stier: Erlebnisse am Weg. Von Menschen und Bildern

1971 Manuel Thomas: Texte und Zeichnungen

1972 Oskar Bischoff: Dem Wort verschrieben

1973 Gerd Forster: Zwischenland. Gedichte und Prosa

1974 Anneliese Hutzler: Durchblicke. Einsichten und Anstöße

1975 Artur Schütt: Nach der Freundlichkeit zu suchen. Gedichte

1976 Der Mandelwingert: Geschichten pfälzischer Autoren

1977 Martha Saalfeld: Bunte Bilder. Mit Illustrationen von von Werner vom Scheidt

1978 Festschrift: Hundert Jahre Literarischer Verein der Pfalz

1979 Hermann Sauter: Erinnerungen und Dank

1980 Frank Peter Woerner: unterwegs sein. Gedichte und Erzählungen

1981 Lenz in Landau und andere Erzählungen. Mit Zeichnungen von Gerd Ditz

1982 Süßes Hoffen/Bittre Wahrheit.Lyrik und Prosa zu 150 Jahre Hambacher Fest

1983 Die Pfalz auf der Suche nach sich selbst. 150 Jahre Pfalzbeschreibungen

1984 Schnookes. Pfälzischer Humor in Mundart und Hochdeutsch

1985 Hrsg. Gerd Weber, Rolf Paulus: Hermann Sinsheimer

1986 Hrsg. Wolfgang Diehl: Martha Saalfeld

1987 Kindheiten. Pfälzer Schriftsteller erinnern sich

1988 Der Seilgänger. Texte junger Autoren

1989 Wolfgang Schwarz: Wegstern in alle Welt. Mit Zeichnungen von Hermann Croissant,

Martha Saalfeld: Gedichte und Erzählungen (Sonderausgabe)

1990 Der Himmel von Speyer

1991 Hrsg. Heiner und Oskar Kröher: Unsere Liederpfalz

1992 Erich Renner: Geschichten waren immer da. Werkstattgespräche

1993 Nur die Feder ist frei. Wettbewerbstexte zum Limburg-Literaturpreis

1994 Artur Schütt: Die spiralförmigen Gedanken der Köchin beim Kartoffelschälen. Bilder von Armin Hott

1995 Handgeschrieben. Autorgraphensammlung pfälzischer Autorinnen und Autoren

Wolfgang Ohler: Der rote Fiedler auf dem Zauberberg (Sonderausgabe)

1996 Karlheinz Schauder: Sie waren hier. Literarische Spurensuche in der Pfalz

Wolfgang Diehl: Konrad Krez. Dichter und Freiheitskämpfer in Deutschland und Amerika

1997 Fremde Nachbarn. Schülertexte

1998 Der Tag ist unbeschrieben. Ein Zweibrücker Lesebuch

2001 Fichtners Erbe. Der Kurpfalzkrimi. Ins Schwarze getroffen mit 23 AutorInnen der Region

2002 Kopfüber am Himmel. Anthologie

2003 Wolfgang Diehl: Die Geschichte des Literarischen Vereins der Pfalz 1878-2003

2005 Von Wegen. Anthologie

2006 Winfried Anslinger: Wassermusik für Frau Bercelius

2008 Einsichten und Ausblicke. Literarische Stimmen aus der Pfalz

 

 

Literatur

Wolfgang Diehl: Heimat, Provinz und Region im Spiegel der Literatur, 125 Jahre Literarischer Verein der Pfalz, Jahresgabe 2003, Landau 2003, ISBN 3-9809078-0-5

Wolfgang Diehl: Saalfeld, Martha. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 314 f.

 

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